Wie schlimm war die Trockenheit in 2018?

Die extreme Trockenheit in 2018 bedeutete nicht nur für die Landwirte extremen Stress. Sie mussten sich entscheidenden Fragen stellen: Reicht mein Futter? Erholen sich die Bestände wieder? Habe ich genug Tränkewasser für mein Vieh? Wie lange dauert die extreme Situation noch? Auch die Pflanzen im Grünland litten erheblich unter der Dürre. Allerdings weisen Pflanzen sehr unterschiedliche Mechanismen auf, mit denen sie auf Stress reagieren. Dabei war die Situation im Jahr 2018 weit schwieriger als in den Vorjahren. Hätte man wie in den Jahren zuvor noch darauf setzen können, dass es im Spätsommer noch ausreichend Wasser gegeben hätte, um eine Nachsaat gelingen zu lassen, so war es in 2018 auch im Frühherbst immer noch viel zu trocken dafür.

Wie war die Futtersituation

Die Futtererträge gingen je nach Standort sehr stark zurück. Die Futterqualität war in den ersten Aufwüchsen kaum betroffen, in den Sommeraufwüchsen kam es dagegen vermehrt zur Notreife der Pflanzen. Hohe Rohfasergehalte bei gleichzeitig eher geringem Energiegehalt waren die Folge. Mit dem hohen Fasergehalt und den hohen Trockensubstanzgehalten geht üblicherweise auch eine schlechtere Verdichtbarkeit des Futters bei der Silierung einher, die zumindest teilweise eine Absicherung der Silagequalität mittels Silierzusätzen erforderlich machte. Der hohe Trockensubstanzgehalt erleichterte dagegen die Heubereitung und das Anwelken auf dem Feld sehr stark.

Im Grünland hat sich die botanische Zusammensetzung des Bestandes drastisch verändert. Das Verschwinden leistungsfähiger Gräser ließ den Bestand lückig werden und eröffnete dadurch Möglichkeiten für tief wurzelnde Kräuter und die Zunahme von Unkräutern.

Es war trotz verlängerter Vegetationszeit im Herbst immer noch nicht klar zu erkennen, ob sich gute Gräser wieder erholt hatten, also das Grünland „resilient“ reagiert hatte. So konnte im Spätherbst zwar vielerorts noch geweidet werden, die Bestände waren aber auch dann noch relativ lückig. Wer zudem versäumt hatte oder aus Futtermangel eventuell dazu gezwungen wurde, lange und intensiv im Herbst zu weiden, der hat durch einen zu tiefen Verbiss im Frühjahr möglicherweise kaum Reservestoffe für einen erneuten Wiederaustrieb zur Verfügung. Grund zur Hoffnung geben neuere Ergebnisse aus der Schweiz, denn dort zeigte sich in Versuchen ein erstaunliches Wiederergrünen von Deutschem Weidelgras, denn in der Trockenphase haben die Pflanzen sich mehr Wurzelmasse zugelegt und der infolge Wassermangel nicht mineralisierte Stickstoff im Boden wurde durch neu einsetzende Niederschläge ebenfalls freigesetzt, wodurch sich die rasche Erholungsphase gut begründen ließ.

JOSILAC Grünland

Was sollte nun getan werden?

Wenn man trotz Wassermangel im Herbst noch nachgesät hatte, dann ist jetzt eine Kontrolle der Ansaat dringend erforderlich. Überhaupt ist als erstes im beginnenden Frühjahr das Erfassen der Situation wichtig. Sind in den Lücken hartnäckige Unkräuter eingewandert? Was ist mit der Gemeinen Rispe passiert? Wie sind die Bestände über den Winter gekommen und haben Schneeschimmel und Mäuse den Beständen zusätzlich zugesetzt? Welche Pflanzenarten sind noch übrig und könnten die im Verlauf des Frühjahres einen guten Grünlandbestand bilden?

Je nach der Höhe des Lückenanteils sollten weitere Maßnahmen gewählt werden. Wenn mehr als 20% Lücken vorhanden sind, dann kann bereits vor dem ersten Aufwuchs angesät werden.

JOSILAC Einböck Striegel

Allerdings ist im ersten Aufwuchs meist mit einer hohen Konkurrenz des noch verbliebenen Altbestandes zu rechnen. Zudem stehen eigentlich noch Düngungsmaßnahmen auch mit organischer Düngung an. Neu aufwachsende Keimlinge werden dann leicht verätzt und am guten Wachstum gehindert. Daher Gülle, wenn irgend möglich gut verdünnen und unbedingt bodennah auf kurze Bestände ausbringen. Sind allerdings nur wenige Lücken vorhanden, dann sollte man die botanische Zusammensetzung des Bestandes genauer überprüfen. Im Falle hoher Anteile von Gemeiner Rispe wird evtl. ein Auseggen oder Ausstriegeln erforderlich. Danach ist der Konkurrenzdruck der Altnarbe so hoch, dass eine erfolgreiche Ansaat im ersten Aufwuchs kaum gelingen wird. Hier also erst nach der Ernte des ersten Aufwuchses nachsäen.

Was muss bei einer Nachsaat beachtet werden?

Das generelle Risiko bei der Anpassung der Bestände an die Umweltbedingungen kann gemildert werden, wenn man nicht nur einzelne Arten ansät, sondern Mischungen verwendet. So zeigt sich klar, dass Mischungen, die sich aus Tief- und Flachwurzlern zusammensetzen, langfristig viel eher in der Lage sind knappe Wachstumsressourcen auszunutzen. Leguminosen, z.B. Rotklee oder vor allem Luzerne überstehen als tiefwurzelnde Pflanzen Trockenphasen weit besser als flach wurzelnde Gräser oder Weißklee. Gleiches gilt für die Effizienz der Stickstoffdüngung. Wird gleichzeitig das Stickstoffbindungsvermögen der Leguminosen genutzt, kann der Einsatz von mineralischem Stickstoff stark vermindert werden. Das schont zum einen den Geldbeutel und andererseits die Umwelt infolge der Verringerung des CO2-Ausstoss der unweigerlich bei der industriellen Fertigung des Mineraldünger N anfallen würde. An Trockenheit angepasste Mischungen enthalten meist das bekannte trockenheitstolerante Knaulgras. Auch Rohrschwingel kann Trockenheit besser ertragen, doch beide Gräser sind für Weideflächen nicht geeignet, weil Weidetiere diese Gräser meiden.

Stress vermeiden in Grünlandbeständen

Vermeiden Sie zusätzlichen Stress für die Grünlandbestände in dem Sie sonngeneigte Hänge nur vorsichtig begüllen und möglichst verdünnte Gülle verwenden. Zu dicke Gülle auf bereits angeschosste Bestände gegeben, gefährdet oft auflaufende Gräser und den Neuaustrieb der Gräser im Frühjahr. Der Einsatz von Urease – Hemmern kann vorteilhaft sein, denn in Abhängigkeit von Feuchte und Temperatur werden Nährstoffe aus der Gülle dadurch erst verzögert freigesetzt. Sie kommen dann eventuell erst zum Zeitpunkt des Bedarfs.

Es ist verständlich, dass nach einem langen Winter und zunehmend knapper werdender Lagerkapazität der Druck zur Gülleausbringung steigt. Aber vermeiden Sie unbedingt, Bodenverdichtungen durch zu schwere Güllefässer und das Befahren der Grünlandböden in feuchtem Zustand. Starke Düngung und feuchte Böden steigern das Risiko einer Lachgasabgasung.

Ab wann dürfen die Kühe auf die Weide?

Unabhängig von der Grasnarbendichte bleibt der Zeitpunkt für die erste Beweidung gleich. Die Regel heißt nach wie vor: Austreiben so bald was zu fressen da ist. Damit aber genügend Zeit für die Sanierung stark geschädigter Flächen bleibt, sollten frisch nachgesäte Flächen zunächst nicht beweidet werden. Vor allem dann nicht, wenn gerade neue Keimlinge auflaufen. Zudem sollten gerade diese Flächen nicht zu kurz abgefressen werden. Die minimale Fresstiefe sollte daher insbesondere im Sanierungsfall 5 cm nicht unterschreiten. Bei gegebenenfalls auftretenden erneuten Trockenphasen sollten die Weidepflanzen ohnehin geschont werden. Es wäre gut die Weiden nicht unter 5 cm Nutzungstiefe abfressen zu lassen, weil einige wichtige Grünlandgräser in den Stoppeln gerade ihre für den Wiederaustrieb wichtigen Reservestoffe speichern.

JOSERA Kälber auf der Weide stehend

Wird in Landessortenversuchen die Trockenheitsverträglichkeit der Pflanzen getestet?

Bislang wird in Landessortenversuchen oder Wertprüfungen noch nicht gezielt die Sorteneigenschaft „Trockenheitsverträglichkeit und Resilienz (Wiederaustrieb nach pflanzlichem Stress)“ abgeprüft. Daher kann man zum jetzigen Zeitpunkt auch keine entsprechende Sortenempfehlung herausgeben. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die bisherigen Empfehlungssorten auch weiterhin bessere Erträge und Persistenz als die nicht empfohlenen Sorten haben werden. Es empfiehlt sich also die jeweilige Sortenempfehlung des Landes zu beachten und danach zu handeln. Einfacher ist es wohl bei der Auswahl der Arten, denn neben Knaulgras und Rohrschwingel, hat auch Wiesenrispe bedingt durch ihre unterirdischen Ausläufer eine gute Ausdauer in Trockenphasen bewiesen. Etwas überraschend war, dass sich auch nachgesäter Rotklee in Versuchen des LAZBW Aulendorf, während des trockenen letzten Jahres noch gut im Bestand gehalten hatte. Offensichtlich wurden in den letzten Jahren Nachsaaten mit Rotklee im Dauergrünland in ihrer längeren Haltbarkeit stark unterschätzt. Einseitige Grasansaaten bieten zwar eventuell höhere Erträge, aber das eben nur bei optimalen Bedingungen. Dauerhaft ordentliche Erträge lassen sich demnach nur bei etwas breiter angelegten Saatmischungen unter Verwendung von Leguminosen erreichen.

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!

Zugegebenermaßen klingt dieser Satz etwas sehr banal, aber letztlich geht es darum zunächst bei der Futterproduktion, aber auch später bei der Ausbringung und Verteilung wirtschaftseigener Dünger die Möglichkeiten des Standortes hinsichtlich der Ertragsleistungen zu berücksichtigen. Da es Gebiete gibt, in denen es regel-mäßig immer wieder zu trockenheitsbedingten Ertragsminderungen kommt, muss letztlich auch der maximale oder optimale Viehbesatz an diese Standorts-eigenschaften angepasst werden. Das kann einerseits dadurch erfolgen, dass die Produktion in wüchsigen Phasen z.B. durch N-Düngung gesteigert wird, andererseits aber sollten in diesen Zeiten auch Vorräte gebildet werden, die für das Überstehen schlechter Phasen verwendet werden können. Hier kann das Einlagern als Heu oder als Silage in Rundballen sinnvoll sein. Dann kann man in Zeiten des Bedarfs auch kleinere Einheiten verfüttern.

Fazit

  1. Grünlandbestände früh im Jahr analysieren und bei hohem Lückenanteil schon im frühen Frühjahr nachsäen.
  2. Dichtere Bestände erst zum zweiten Aufwuchs sanieren.
  3. Gutes Saatgut mit empfohlenen Sorten auswählen und rechtzeitig kaufen.
  4. Zur Risikoabsicherung Mischungen mit etwas mehr Arten und vor allem mit zusätzlich Leguminose auswählen.
  5. Gute Wachstumsphasen besser ausnutzen und Vorräte anlegen.

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