Alle Erreger haben für ihre Vermehrung spezifische Anforderungen an Temperatur, Nährsubstrate (Dung, Ausfluss, Futterreste etc.), Feuchtigkeit, Wirte und pH-Wert. Um Hygienestrategien erfolgreich in den Arbeitsablauf zu etablieren, ist ein Verständnis für die Grundlagen und Ziele der Hygiene notwendig.

Unterschiedliche Strategien

1. Milieu für Keime unattraktiv machen

Die Keime unterscheiden sich in Überlebensfähigkeit und -dauer außerhalb des Wirtes, so können Salmonellen beispielsweise bis zu 3 Monate an feuchten Stellen infektiös bleiben. Erreger entwickeln Schutzmechanismen gegen das Absterben bei ungünstigen Bedingungen, sie bilden Schleimkapseln, Sporen etc.

Auch ihr exponentielles Wachstum ist eine Überlebensstrategie. So können sich Bakterien bei geeigneten Bedingungen alle 20min verdoppeln (in 2 Stunden entsteht die 64fache Menge!, d.h. es entstehen mehr neue, als absterben.)

JOSERA Kälberiglus während der Reinigung

Da Keime sich in Abhängigkeit von Temperatur, Nährsubstratangebot und Feuchtigkeit vermehren, zählen hierzu allgemeine Maßnahmen der Betriebshygiene, die dazu dienen, diese Faktoren zu minimieren.
Das bedeutet allgemeine Ordnung und Sauberkeit, geordnete Abfallbeseitigung, Dung- und Güllelagerung, sowie saubere Arbeitskleidung. Dies beeinflusst bereits auch die Fliegen und Schadnagerpopulation, wodurch eine Erregerverschleppung reduziert wird.

2. Übertragungswege blockieren

Als Übertragungswege kommen in Abhängigkeit des Keims folgende Möglichkeiten in Frage:

  • die Luft, hier dienen Staubpartikel und Aerosole als Vehikel
  • der direkten Kontakt mit Ausscheidungen (Kot, Urin, Schleim, Sperma),
  • der direkte Kontakt von Tier zu Tier
  • über Personen, Futter, Wasser, Geräte, Abfälle, Dung,
  • Fliegen, Schadnager.
JOSERA Rinder in Liegeboxen liegend

Hier sind Möglichkeiten zu bedenken, die die Staubentwicklung beim Einstreuen oder bei der Fütterung reduzieren. Wichtig ist aber auch Schmutzreste zu entfernen, bevor sie abtrocknen und zu Staub werden. Eine regelmäßige Kotentfernung aus Liegebuchten und Laufbereich, Reinigung der Tränkebecken, Futtertröge und Scheuerbürsten blockieren Übertragungswege ebenso wie das Separieren von kranken Tieren (infektiöse Klauenentzündungen, offene Hautwunden, Metritis etc.). Auch das Rein-Raus Belegen von Iglus, Aufzuchtabteilen und Abkalbebucht nach Reinigung und Desinfektion unterbindet die Erregerübertragung. In diesem Zusammenhang steht auch eine hygienische Futterlagerung. Abgeschlossene Räume, Silos, Abdeckungen verhindern die Verunreinigung mit Ausscheidungen von Schadnagern, Katzen oder Vögeln. Wichtig sind in diesem Zusammenhang nicht nur eine gezielte Fliegen- und Schadnagerbekämpfung, sondern auch eine Personenhygiene und eine entsprechende Arbeitseinteilung. Das heißt z.B. eine Zwischenreinigung der Stiefel nach verlassen stark kontaminierter Bereiche, kranke Tiere zum Schluss versorgen, Händewaschen bei Tätigkeitswechsel, saubere Arbeitskleidung und spezielle Kleidung für Tätigkeitsbereiche (wie Melken oder Gülle ausbringen) und betriebseigene Schutzkleidung für Besucher vorhalten. Die Übertragungswege sind umso kürzer je dichter Tiere aufgestallt sind, deshalb sollte eine Überbelegung vermieden werden.

3. Erreger minimieren

Bereits alle Maßnahmen zur Blockade der Übertragungswege führen insgesamt zu einer Keimreduktion. und senken damit den Keimdruck. Doch gibt es Bereiche, die ein höheres Niveau erfordern dazu gehören unter anderem der Arbeitsbereich Melken, Geburt, Kälberaufzucht und Verabreichen von Medikamenten (Trockenstellern).
Eine professionelle Reinigung und Desinfektion ist hier zentrales Element.
Voraussetzung einer erfolgreichen Desinfektion ist eine gründliche Reinigung gegebenenfalls unter Einsatz von Fett- und / oder Eiweiß- und Kalklösern.

In den genannten Bereichen sind zudem glatte Oberflächen zu bevorzugen. Beim Einsatz von Desinfektionsmitteln sind folgende Punkte zu beachten:

JOSERA Sack Desan
  1. DLG geprüfte Produkte sichern die Wirksamkeit bei richtigem Einsatz
  2. ein für den Zielbereich geeignetes Produkt wählen
  3. in der richtigen Konzentration anwenden (Anwendungshinweis des Produktes lesen)
  4. Ausbringungsmenge (0,4l Gebrauchslösung/qm) sicherstellen
  5. Einwirkzeit beachten (Einwirkzeit ist die Zeit bis zum Abtrocknen der behandelten Fläche, hohe Außentemperaturen, Sonneneinwirkung etc. können die Einwirkzeit deutlich verkürzen)

4. Abwehrlage stabilisieren

Das Angehen einer Infektion hängt nicht nur von der Keimmenge und der Pathogenität des Erregers ab, sondern auch von der Abwehrsituation des Wirtes.
Diese wird bestimmt durch

  • Stress (Handling, Klima, Sozialstress)
  • Fütterung/Futter
  • Haltung
  • Schutzimpfungen
  • Management

Je besser Haltung, Fütterung und Management funktionieren, umso besser ist die körpereigene Abwehr.

Zukauf von Tieren

Hier gilt es zu beachten, dass auch augenscheinlich gesunde Tiere Träger von Erregern sein können. Möglicherweise handelt es sich um Ausscheider oder Tiere in der Inkubationsphase.

Fazit

Hygiene ist ein Gesamtpaket von Maßnahmen, um das Wohlbefinden der Tiere zu verbessern und Krankheiten zu vermeiden. Je besser alles aufeinander abgestimmt ist und umgesetzt wird, umso erfolgreicher sind die Bemühungen. Wird ein Bereich vernachlässigt, so beeinflusst dies den Gesamterfolg negativ.

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