Grundlagen

Rinder sind Herden- und Fluchttiere mit einer festen, meist altersabhängigen Rangordnung innerhalb einer Gruppe von 20-30 Tieren. Dementsprechend sind ihre Aktivitäten synchronisiert: Gemeinsam Fressen, gemeinsam Ruhen. Rinder haben ein gutes Gehör, besonders für hohe Töne, und mögen keinen Lärm. Ruhiges Ansprechen schafft daher Vertrauen. Die Nahkommunikation untereinander erfolgt über die Körperhaltung und den Geruchssinn.

Sie riechen gegenseitig z.B. Angst und geben dies an die Gruppe weiter. Die weitere Umgebung erfassen Sie mit dem Gesichtssinn, der etwa 330° beträgt. Allerdings können Kühe nur in einem Gesichtsfeld von ca. 30° deutlich sehen. Doch fehlt hier auch die Tiefenschärfe. Hiermit lassen sich das vorsichtige Erkunden einer neuen Umgebung oder das Verweigern eines Treibweges erklären. Das Zeitbudget von 24h teilt sich auf in 14h Ruhen, 6,25h Fressen, 1h Melken und 2,75 h Anderes wie Sozialkontakte, Putzen, etc.

Während der verschiedenen Phasen ist die Kuh immer wieder mit wiederkäuen beschäftigt. Insgesamt schwankt die tägliche Wiederkauzeit zwischen vier und neun Stunden (KOLB 1989).

Das äußere Erscheinungsbild

Das äußere Erscheinungsbild gibt zahlreiche Hinweise auf das Befinden des Tieres bzw. der Herde. So deutet ein verklebtes Haarkleid auf Temperatur- oder Lüftungsprobleme hin oder in Verbindung mit Kratz- u. Schleckbewegungen und kahlen Scheuerstellen auf Parasitenbefall.
Kotverschmutzungen sprechen für Spaltenliegen infolge falscher Boxenabmessungen, mangelnder Boxenhygiene, Überbelegung oder Durchfallprobleme.

Schmerzhafte Prozesse im Bewegungsapparat deuten sich durch eine Wölbung der Rückenlinie oder durch Lahmheiten an. Als Fluchttiere folgt die Kuh ihrem Instinkt und läuft solange es irgendwie geht. Auch leicht lahmende Tiere haben bereits große Schmerzen mit der Folge einer geringeren Futteraufnahme und Leistungseinbußen.

Mit der Körperkondition lassen sich Fütterungsintensität oder Ketosegefahr erkennen und regulieren. Sie kann mittels BCS verifiziert und dokumentiert werden.
Schwellungen und Verletzungen können Folge von Rangkämpfen oder Technopathien sein. Kopfhaltung, Ohrstellung und Augenspiel des Tieres verraten uns etwas über Aufmerksamkeit, Angriffslust, Angst, Teilnahmslosigkeit bis hin zur Depression.

Spezielle Organe

Von den Lidbindehäuten der Augen erhält man bei Weißfärbung Hinweise auf eine Anämie durch Blutungen. Rötungen sprechen für lokale Entzündungen oder fieberhafte Allgemeinerkrankungen und Hyperthermie. Unter Toxineinfluss oder bei Leberschäden verfärben sie sich gelb-grau. Eingesunkene Augäpfel findet man bei schwerkranken und dehydrierten Tieren. Atemwegserkrankungen führen zu Nasenausfluss unterschiedlicher Qualität.

Im Euterbereich liefern Farbe, Form und Ausprägung der Zitzenspitzen Hinweise auf Probleme beim Melken. Hyperämie und Schwellungen finden sich bei akuten Mastidien.

Der Füllungszustand der Pansengrube korreliert mit der Futteraufnahme. Übermäßige Füllung ist eine Folge von Fehlgärungen im Pansen und kann zum Kreislaufversagen des Tieres führen.

Aber auch der Scheidenbereich Fältelungsgrad bzw. Schwellung der Vulva, eingesunkene Beckenbänder geben Aufschluss über Zyklusstand, Zyklusstörungen oder Trächtigkeit. Ausfluss ist ein Indiz für Entzündungen im Bereich des Urogenitaltraktes.

JOSERA Rinder Euter

Verhalten und Ausscheidungen

Hinweise zur Fütterung, Verdauungsaktivität, Passagerate (Kotabsatzfrequenz), Fermentation (Partikelgröße), Azidose (Schleimbeimengungen) erhalten wir aus dem Kotabsatzverhalten und der Kotkonsistenz. In diesem Zusammenhang ist auch das Wiederkauverhalten zu bewerten. In Kombination mit Milchmenge, -fett, -eiweiß und Harnstoffgehalt lassen sich Fütterungsfehler gut zuordnen. Die Urinabsatzfrequenz, Menge, Farbintensität und Geruch geben Aufschluss über die Wasserversorgung, Keimbelastung, Stoffwechselstörung, Aufregung oder Angst.
Schmerzen äußert die Kuh durch Brüllen, Stöhnen und Schwanz abstellen oder einklemmen.
Weiterhin geben Art der Futteraufnahme, Bewegungsfluss, Ablege- und Aufstehverhalten wichtige Hinweise auf Boden und Boxenbeschaffenheit.

Fazit

Alle diese Informationen liefert die Kuh dem aufmerksamen und geübten Beobachter. Zahlreiche technische Hilfsmittel wie z.B. Aktivitätsmesser und Wiederkausensor können die eigenen Beobachtungen ergänzen. Die Kunst besteht darin, alle Informationen richtig zu gewichten und zu kombinieren, um die richtigen Schlussfolgerungen ziehen zu können.


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