Vitamin A – ein fettlösliches Vitamin

Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Diese kommen im Körper in Verbindung mit Fetten, mit denen sie auch absorbiert werden, vor. In Leber und Nieren aber auch im Muskelgewebe oder im Gehirn können fettlösliche Vitamine in teilweise beträchtlichen Mengen gespeichert werden.

Vorkommen und Bedeutung von Vitamin A

Vitamin A, auch bekannt unter dem Namen Retinol, kommt in natürlichen Quellen ausschließlich in Futtermitteln tierischer Herkunft wie Leber, Fischöl und fettreichem Fischmehl vor. Pflanzliche Futtermittel enthalten nur ß-Carotin (s. Abbildung 1) als Vorstufe, das dann im tierischen Organismus zu Vitamin A umgewandelt werden kann.
Doch Vitamin A kann auch synthetisch hergestellt und Futtermitteln zugeführt werden. Die Hauptfunktion von Vitamin A im tierischen Organismus liegt vor allem im Epithelschutz. Das heißt, es dient dem Aufbau, dem Schutz und der Regeneration von Haut, Schleimhaut sowie Klauengesundheit. Des Weiteren fördert Vitamin A die Fruchtbarkeit durch Verbesserung der Ovulation und der Einnistung des Eis sowie der embryonalen und fetalen Entwicklung und der hormonellen Trächtigkeitsaktivierung.

Außerdem ist Vitamin A an der Genexpression von über 300 Genen beteiligt und kann zur Erhöhung der Widerstandskraft gegenüber Infektions- und Invasionskrankheiten beitragen. Hinzu kommt, dass Vitamin A Wachstums- und Differenzierungsvorgänge im Zellstoffwechsel reguliert.

Vitamin A ist und bleibt unerlässlich für die Tiergesundheit und für unsere Produkte. Neu sind lediglich die gesetzlichen Grenzwerte, die einen übermäßigen Einsatz von Vitamin A verhindern sollen.

JOSERA Grafik zeigt Gehalte an ß-Carotin je kg TM in pflanzlichen Futtermitteln

Abb. 1: Gehalte an ß-Carotin je kg Trockenmasse inpflanzlichen Futtermitteln

Mangelerscheinungen

Bei einem Mangel an Vitamin A kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Verzögerung der Eireifung
  • Absterben von Embryonen
  • Beeinträchtigung der embryonalen Entwicklung
  • Erhöhte Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten
  • Wachstumsstörungen, Störungen des Hell-Dunkel Sehens und im Extremfall Erblindungen (Kirchgessner,2014)
  • Verhornung von Haut und Schleimhaut mit darauffolgendem erhöhtem Infektionsrisiko
  • Negativer Einfluss auf die Spermabildung und –qualität bei Zuchtbullen
  • Klauengesundheit leidet unter den Veränderungen der obersten Hautschicht. Bei einer guten Versorgung sind Haut und Horn somit resistenter gegen Feuchtigkeit, wodurch sich krankmachende Keime nicht so gut festsetzen können (Mackrott, 1994). Dadurch können Klauenentzündungen und Belastungen von Phlegmonen vermindert werden.

Vitamin A-Überversorgungen

Doch heute ist bekannt, dass es nicht nur zu einem Vitamin A-Mangel kommen kann! Was hat sich geändert? Grob gesagt: der Wissensstand. Früher galt Vitamin A in der Kälberaufzucht als Problemlöser zur Steigerung der Vitalität und Abwehrkräfte. Hypervitaminosen, also Überversorgungen mit Vitamin A waren unbekannt.

Heute weiß man, dass Überversorgungen mit Vitamin A auch nachteilig sein können. Eine Überversorgung von Vitamin A hat ähnliche Symptome zur Folge wie ein Vitamin A Mangel. Vor Allem Veränderungen der Haut und der Schleimhäute haben hier negative Einflüsse auf die Tiergesundheit und die Leistung. Übererregbarkeit, Festliegen und Krämpfe sind ebenso möglich, wie eine Schwächung der Knochenbildung. Durch eine Überversorgung kann es zur Ausbildung der Hyänenkrankheit beim Kalb bzw. jungen Rind kommen. Dabei führt eine Überdosierung von Vitamin A in den ersten Lebenstagen bzw. -Wochen zu einem vorzeitigen Schluss der Epiphysenfugen am wachsenden Knochen.

JOSERA Jungrinder im Stall stehend

Neue Vitamin-A-Grenzwerte für landwirtschaftliche Nutztiere!

Seit der Gesetzgeber für die Verwendung von Vitamin A Anfang der 90-er Jahre im Futter von Masttieren Begrenzungen eingeführt hat, wurden jetzt durch die Europäische Kommission für alle Tierarten neue Höchstwerte festgelegt. Mit der am 26.05.2015 in Kraft getretenen Verordnung (EU) 2015/724 gelten nach Ablauf der Übergangsfrist am 26.05.2016, die in der Tabelle dargestellten Werte für Vitamin A für die Fütterung von Wiederkäuern.

Tabelle: Neue Höchstgehalte für Vitamin A (nach EU 2015/724)

Welche Veränderungen ergeben sich daraus für Sie?

Erfreulich ist, dass die JOSERA Keragen-Sorten unverändert bleiben können, weil wir bereits bei der Entwicklung dieser Produkte auf eine optimierte Ausstattung geachtet haben.
Den alten „Standard“ von 1 Mio. IE Vitamin A bei den Klassiker-Sorten wird es jedoch in Zukunft nicht mehr geben, da der Höchstwert für Kühe auf 9.000 IE/kg Alleinfutter festgesetzt wurde.
Im Bereich Milchaustauscher müssen wir die Sorten auf das Niveau von 25.000 I.E./kg umstellen.

Eine bedarfsgerechte Versorgung, insbesondere im Hinblick auf die gute Fruchtbarkeit und Tiergesundheit setzt voraus, dass nicht nur Vitamin A, sondern auch ß-Carotin in ausreichenden Mengen angeboten wird. ß-Carotin dient als Vorstufe für das Vitamin A und kann hier im Falle von Mangelerscheinungen aushelfen. Noch wichtiger ist jedoch seine Funktion für die Brunst und den Eisprung (Kirchgessner, 2014). Als Faustzahl für eine ausreichende Versorgung mit ß-Carotin gelten 200 mg / Tier und Tag für den Erhaltungsbedarf und 15 mg / Liter Milch. Als Gesamtversorgung sind somit 500 – 600 mg ß-Carotin anzustreben. Diese sind in der Praxis bei Verwendung der üblichen Rationskomponenten oft nur schwer zu erreichen. Neben pflanzlichen Komponenten wie guter Grassilage und Grünmehlen, können hier z.B. ß-Carotinhaltige Futtermittel wie Betamin und Betavit unterstützen. Gerade die Tiere um die Kalbung und im ersten Laktationsdrittel können diese Hilfe gut gebrauchen, was sich in besserer Fruchtbarkeit und Tiergesundheit wiederspiegelt und somit Ihre Kosten senkt.
Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren JOSERA Berater.

Um eine bedarfsgerechte Versorgung auch für Ihre Tiere zu gewährleisten enthalten Josera Milchaustauscher und Mineralfutter dem Bedarf des Tieres entsprechende Gehalte an Vitamin A! Natürlich gilt gleiches für alle anderen Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffen ebenso. Nicht ein Element für sich alleine ist entscheidend. Denn es kommt auf eine ausgewogene und harmonische Gesamtversorgung der Tiere an.


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