Warum stellt man Kühe trocken?

Trockensteher geben keine Milch, benötigen aber dennoch Futter, Platz und Aufmerksamkeit. Eine augenscheinlich unproduktive Zeit im Leben einer Kuh und unbefriedigend für den Landwirt. Die Balance zwischen ausreichender Futteraufnahme und einem möglichen Verfetten der Tiere zu halten, ist nicht einfach, die Futterumstellungen belasten den Stoffwechsel. Und dann gerade die guten Kühe, die zum Zeitpunkt des Trockenstellens noch fast 25 Liter Milch gegeben haben… eigentlich schade um die viele Milch. Diese Gedanken hat sich fast jeder Landwirt schon einmal gemacht. Um der Versuchung zu widerstehen, die Trockenstehphase drastisch zu verkürzen oder gar ganz durchzumelken, ist es wichtig, zu verstehen, warum wir die Kühe trockenstellen – und warum ein gutes Trockensteher-Management viele Vorteile bringt.

Für die Kuh ist die Trockenstehphase eine Vorbereitungszeit auf Geburt und Laktationsbeginn. Kalbinnen bilden zum ersten Mal das Euter an, Tiere der ersten Laktation schaffen eine weitgehende Wiederherstellung der Ausgangslage ihres Euters. Ab der zweiten Laktation nimmt während der Trockenstehphase eher der Bindegewebeanteil des Euters zu. Subklinische Mastitiden können ausheilen und optimale Voraussetzungen für hochqualitatives Kolostrum werden geschaffen. Die Energie, die während der Laktation auf die Milchproduktion verwendet wird, kommt jetzt dem Kalb und der eigenen Regeneration zugute. Vergessen wir nicht: Wenn wir von einer Kuh in der Trockenstehphase sprechen, sprechen wir eigentlich von zwei Tieren! Für das heranwachsende Kalb ist die Trockenstehphase noch wichtiger: Hier entscheidet sich, mit welchen Grundvoraussetzungen es ins Leben starten wird.

Die Produktivität und Vitalität der Kälber werden in den letzten Wochen der Trächtigkeit entscheidend beeinflusst. Da auf den meisten Betrieben die Nachzucht aus den eigenen Reihen gestellt wird, kann man also sagen: In der Trockenstehphase wird der Grundstein für eine gute zukünftige Herdenleistung gelegt. Hitzestress, Nährstoffmangel und Krankheiten der Mutter wirken sich sogar nicht nur auf die nächste, sondern bis in die dritte Generation weiblicher Nachkommen aus! Kälber optimal versorgter Kühe sind dagegen widerstandsfähiger, weniger oft und weniger schwer krank, zeigen höhere Zunahmen und geben später mehr Milch.

Besonders auffällig: Kälber von Müttern, die während der Trockenstehphase unter Hitzestress gelitten haben, haben niedrigere Geburtsgewichte und holen ihre Artgenossen meist erst im zweiten Jahr wieder ein. Das Problem dabei: Im zweiten Jahr wird der Massezuwachs weniger in Körpergröße als vielmehr in Fett angelegt. Das Ergebnis sind kleine, dicke Färsen. Und das führt dann wiederum zu den bekannten Problemen…

Kalb und Mutterkuh

Ja, die Trockenstehphase birgt ein gewisses Risiko für die Entstehung von Mastitis. Doch auf der anderen Seite haben subklinisches Mastitis in der Trockenstehzeit endlich die Chance, wirklich auszuheilen. Zieht man hier eine Bilanz, so heilen deutlich mehr Mastitiden aus, als Neue entstehen.

Was aber in diesem Zusammenhang überhaupt nichts bringt, ist eine Verkürzung der Trockenstehphase, denn das höchste Risiko für die Entstehung neuer Mastitis besteht ganz zu Beginn und ganz am Ende der Trockenstehphase. Verkürzen wir die Trockenstehphase nun auf unter 30 Tage, so verringert sich lediglich die unproblematische Zeit zwischen den beiden Risikophasen (siehe Grafik), die Problematik verschlimmert sich also sogar eher noch.

Diagramm - Mastitisrisiko während der Trockenstehphase
Diagramm - Mastitisrisiko während der verkürzten Trockenstehphase

Da sich durch die Verkürzung der Trockenstehphase also nur die Heilungs- und Regenerationsphase verkürzt, trägt eine verkürzte Trockenstehphase nicht zur Eutergesundheit bei, sondern gefährdet sie eher. Besonders betroffen sind dann diejenigen Kühe, die bereits während der Laktation durch hohe Zellgehalte auffallen. Außerdem kann diese Verkürzung in der Folgelaktation aufgrund der nicht ausreichenden Regenerationsprozesse und der verminderten Neuproduktion milchproduzierender Zellen zu einer verminderten Milchleistung führen.

Gerade bei den Erstkalbinnen wirkt sich dies massiv auf die Milchleistung in der zweiten Laktation aus. In den Folgelaktationen ist der Effekt dann zwar etwas geringer, jedoch immer noch zu spüren.

Eine verkürzte Trockenstehphase hat allerdings auch positive Auswirkungen, und zwar auf Stoffwechsel und Fruchtbarkeit unserer Milchkühe: Die durchschnittliche Güstzeit verringert sich deutlich, die Besamungserfolge dagegen steigen. Das Energiedefizit nach der Kalbung fällt milder aus, ebenso wie das Ketoserisiko.

Trockenstehphase verkürzen: Ja oder nein?

Wie so oft lautet hier die Antwort: Es kommt ganz auf die Kuh an.

  • In der ersten Laktation ist eine Verkürzung der Trockenstehphase aufgrund der zu erwartenden Leistungseinbußen in der zweiten Laktation definitiv nicht zu raten.
  • Bei Tieren ab der zweiten Laktation kann eine Verkürzung der Trockenstehphase zur gezielten Stoffwechselentlastung durchaus in Betracht gezogen werden. Vor allem hochleistende Tiere mit hoher Milchleistung zum Zeitpunkt des geplanten Trockenstell-Termins profitieren hier. Voraussetzung ist dabei aber eine sehr gute Eutergesundheit! Trotzdem sollten 30 Tage Trockenstehphase nicht unterschritten werden.
  • Bei Tieren mit bereits bestehender Infektion mit Kuh-assoziierten Mastitiserregern oder ohnehin bereits niedriger Milchleistung bietet sich dagegen eine Verlängerung der Trockenstehphase an.

Tipps und Tricks für die Trockenstehphase

Vor dem Trockenstellen:

Eine Vorbereitungsfütterung ab etwa zwei Wochen vor dem geplanten Trockenstelltermin ist in jedem Falle ratsam – zum einen, um die Milchleistung zu reduzieren, zum anderen, um die Stoffwechselumstellung durch die veränderte Rationsgestaltung der Trockensteher etwas abzumildern. Wenn möglich, empfiehlt sich auch bereits eine Halbierung der Melkfrequenz.

Während der Trockenstehphase:

Hand- und Materialhygiene

Das Neuinfektionsrisiko mit Mastitis ist gerade zu Beginn der Trockenstehphase besonders hoch. Doch Sie können etwas dagegen tun: Hand- und Materialhygiene beim Trockenstellen sind besonders wichtig, Zitzenversiegler absolut anzuraten. Um anschließend den Infektionserregern das Eindringen ins Euter in dieser sensiblen Phase weiter zu erschweren, darf sich die betreffende Kuh mindestens eine halbe Stunde, besser länger, nicht hinlegen. Am besten auf einem nicht eingestreuten, sauberen Untergrund stehen lassen und Futter anbieten.

Kontaktreduktion
Um die Milchproduktion möglichst schnell zu senken, sollten alle „milchfördernden Kontakte“ reduziert werden. Dazu zählen nicht nur der Kontakt zu Kälbern, sondern ebenso der Sicht- und Hörkontakt zum Melkstand und den laktierenden Artgenossen.

Saubere Aufstallung
Je geringer der Keimdruck, desto besser: Ein eigenes Stallabteil für die Trockensteher wäre optimal, je nach Fütterungskonzept in zwei Abteilungen unterteilt. Saubere, trockene Liegeflächen und magere Weiden sind gute Voraussetzungen.

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Kontrollen
Gerade in den Risikophasen für Mastitiden (siehe oben) sollten tägliche Euterkontrollen durchgeführt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können. Ist die kritische Phase überstanden, genügen meist wöchentliche Kontrollen. Gelegentliches Dippen der Zitzen schadet nie und ist in der letzten Woche vor der Kalbung routinemäßig anzuraten.

Fütterung
Der reibungslose Start in die Laktation steht und fällt mit der Trockensteher-Fütterung!

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In Rationen mit Sojaextraktionsschrot ist JOSERA Prophos das optimale Trockenstehermineral: Sein Ca:P-Verhältnis von 0,7:1 reizt den Ca-Stoffwechsel an & bereitet die Kuh auf einen erhöhten Ca-Bedarf nach der Geburt vor.

Lichtprogramm
Der Einfluss der Tageslichtlänge auf unsere Milchkühe wird häufig unterschätzt: Kühe geben an Tagen mit verlängerter Lichtdauer durch künstliche Beleuchtung bis zu 3,0 kg mehr Milch am Tag!
Um diesen Vorteil nicht durch einen Gewöhnungseffekt zu verschenken, müssen die Trockensteher mit kürzeren Tageslichtlängen versorgt werden: 8 Stunden Licht und 16 Stunden Dunkelheit sind für sie ausreichend, damit das Verhältnis dann beim Eintritt in die Laktation umgekehrt werden kann: auf 16h Licht und 8h Dunkelheit. In der Lichtphase sollten dabei etwa 100-200 Lux auf Kopfhöhe der Tiere ankommen.

Kühlen, kühlen, kühlen!
Die Trockensteher sind hochträchtig! Hitzestress macht gerade diesen Kühen besonders schwer zu schaffen. Sie in dieser ohnehin körperlich sehr belastenden Phase in sich aufheizenden Altgebäuden oder auf unterstandslosen Weiden unterzubringen, kann fatale Folgen haben. Überhitzte Trockensteher fressen weniger, sind anfälliger für Stoffwechselentgleisungen nach der Kalbung und geben in der folgenden Laktation außerdem deutlich weniger Milch!

Ist Weidegang für Trockensteher zu empfehlen?

Eine Vollweide ist für Trockensteher nicht zu empfehlen, schlicht deswegen, weil die Futteraufnahme nicht kontrolliert werden kann und die Kühe zum Verfetten neigen. Trotzdem hat Weidegang eindeutige positive Effekte auf die Gesundheit der Trockensteher. Optimal ist also eine sogenannte „Joggingweide“: Eine möglichst magere Weide, die den Tieren viel Bewegung an der frischen Luft ermöglicht. Das beugt nicht nur Klauen- und Gelenkerkrankungen vor, sportliche Kühe haben es auch bei der Geburt leichter!

An einem geeigneten Fressplatz wird dann eine entsprechend ausgewogene Trockensteherration bereitgestellt. Gerade an warmen Tagen unbedingt für reichlich schattige Unterstellmöglichkeiten und ein ausreichendes Wasserangebot sorgen!

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